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“Die gegen Windmühlen kämpfen”

Univ. Doz. Dr. Nicolas Zech im Portrait

dr nicolas zech_ivf zentren prof. zech
Zur Person
geb. 7. August 1973, verheiratet, zwei Töchter (4 und 6 Jahre)

  • Medizinstudium in Innsbruck
  • Facharztausbildung Gynäkologie und Geburtshilfe in Zürich
  • 2010 habilitiert auf dem Gebiet Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin/Stammzellen in Graz
  • ÖÄK-Diplom für Genetik
  • 2 Jahre Forschungs-Aufenthalt in Chicago bei Prof. Yury Verlinsky (Pionier der Präimplantationsdiagnostik)
  • seit 2011 Ärztlicher Leiter IVF Zentren Prof. Zech
  • Absolvent der Harvard Business School
  • Publikationen


Ich wuchs in einer behüteten Umgebung auf und war das zweitälteste von 3 Kindern (meine Schwester Ismene ist 1 Jahr älter als ich, mein Bruder Mathias 11 Jahre jünger). Mein Vater ist Arzt und Gynäkologe und zählt zu den Pionieren auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung. Bedingt durch seinen beruflichen Werdegang, wuchsen wir Kinder in unterschiedlichen Ländern auf.

Nenzing war bis zu meinem vierten Lebensjahr meine erste Heimat, danach übersiedelten wir nach Graz. Nach meiner „Kindergartenzeit“ (die für mich nie stattfand, da ich den Kindergarten verweigerte), folgten 3 Jahre Volksschule in Innsbruck, mit dem Highlight, ein Jahr Elementary School, die ich gemeinsam mit meiner Schwester in Louisville, Kentucky – USA besuchte. Nach der Rückkehr aus den USA nach Innsbruck, begann dort meine Gymnasialzeit. Bereits nach dem ersten Semester verlegten wir unseren Wohnsitz nach Bregenz, wo ich am BG Blumenstraße die restliche Schulzeit fortsetzte und im Jahr 1992 auch dort maturierte.
Schon während meiner Kinder- und Jugendjahre war es mir gegönnt, viel von der Welt zu sehen. So durfte ich gemeinsam mit meinen Eltern die verschiedensten Länder und Kontinente besuchen und bei vielen Kongressen dabei sein.

Das erste der „IVF Zentren Prof. Zech“ hat mein Vater gemeinsam mit meiner Mutter im Jahr 1984 in Bregenz gegründet. Stets war ihre Arbeit von großer Begeisterung geprägt. Zuhause war diese enthusiastische Atmosphäre spürbar und hat schon früh mein Interesse für das Fach Reproduktionsmedizin geweckt.

Als ich ein Teenager war, hat mir mein Vater zwei Bücher geschenkt, die ich damals regelrecht verschlungen habe:
1) “The Magic of Thinking Big” von Dr. David Schwartz
2) “Molecular Biology of The Cell”
Ich studierte sie bis ins kleinste Detail und stellte in den darauffolgenden Jahren fest, dass diese zwei Werke für mich richtungsweisend waren. Fünf Anregungen aus dem Buch „The Magic of Thinking Big“ begleiten mich bis heute.

Hier sind diese im Originaltext:

    1. Be a front seater. Notice how most people fill up the back of the church, classroom, etc? Sitting up front builds confidence, so practice it.
    2. Practice making eye contact. The eyes say a lot about us and we can’t help but wonder about someone that won’t look you in the eye.
    3. Walk 25 percent faster. Average people have the “average” walk. The super confident walk faster than average and it tells the world “I’ve got someplace important to go, something important to do and I will succeed at what I will do fifteen minutes from now.”
    4. Practice speaking up. The more you speak up the more you add to your confidence. Speak up at meetings, conference, etc and don’t worry about looking foolish.
    5. Smile Big. Try this little test. Smile big and try to feel defeated at the same time. You won’t be able to do it. A real smile not only cures your own ill feeling, it melts away the opposition of others.


Dies führte zu weiteren Ratschlägen, die ich im Laufe der Zeit versuchte zu verinnerlichen:

  • Believe Big. The size of your success is determined by the size of your belief. Think little goals and expect little achievements. Think big goals and win big success. Remember this, too! Big ideas and big plans are often easier — certainly no more difficult – than small ideas and small plans.
  • Remind yourself regularly that you are better than you think you are. Successful people are not superhuman. Success does not require a super-intellect. Nor is there anything mystical about success. And success isn’t based on luck. Successful people are just ordinary folks who have developed belief in themselves and what they do. Never — yes, never — sell yourself short.
  • Believe it can be done. When you believe something can be done, really believe, your mind will find the ways to do it. Believing a solution paves the way to solution.
  • How we think shows through in how we act. Attitudes are mirrors of the mind. They reflect thinking.
  • There is a good side to every situation.
  • The success combination in business is: Do what you do better… and: Do more of what you do…
  • Do what you fear and fear disappears.


Das Erlernte aus diesem Buch hat meine Talente gestärkt.

Die Liebe zu meinem späteren wissenschaftlichen Schwerpunkt, nämlich dem Erforschen der Stammzellen – die Quelle allen Lebens und integraler Bestandteil der Entwicklungsbiologie – wurde durch das Buch “Molecular Biology of The Cell” geweckt.

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Prof. Herbert Zech, Mitzie Wittliff, Annerose Zech, Prof. James L. Wittliff (Galaaband 25 Jahre IVF Zentren Prof. Zech)

Ab meinem 14ten Lebensjahr durfte ich in den Ferien wiederholt bei meinem Wahl-Onkel
Prof. Dr. James L. Wittliff (s. Foto), in Kentucky (der frühere Chef meines Vaters in der Krebsforschung und Entdecker des Hormon-
rezeptors) im biochemischen Labor im James Graham Brown Cancer Center mithelfen. Angefangen habe ich mit Verpacken von Proben bis ich schlussendlich direkt im Labor mitarbeiten und lernen durfte.

Mit 18 Jahren traf ich zum ersten Mal den späteren Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards auf einem Kongress und fragte ihn,
was ich tun kann, um die Welt besser zu begreifen. Er gab mir zu verstehen, dass es wichtig ist, sein Wissen breit aufzustellen und alles zu hinterfragen. Ein Spruch, der mir dazu immer spontan einfällt und der das Gegenteil aufzeigt, besagt folgendes:“ Immer mehr über immer weniger wissen bis man alles weiß über ein Nichts“.
Um allgemeines Wissen zu erwerben, empfahl er mir das kontinuierliche Studium von den zwei hochkarätigen Journalen, nämlich „Nature“ und „Science“ (darin werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in allen möglichen Disziplinen wie Biologie, Medizin, Physik u.v.a.m. regelmäßig veröffentlicht). Er riet mir, auch Ergebnisse aus solchen Journalen immer kritisch zu hinterfragen und gab mir zu bedenken, dass nicht alles, was veröffentlicht wird, auch der Wahrheit entspricht! Kritische Menschen, die Publikationen nicht einfach so akzeptieren und hinnehmen, sind oft lästig und vielen ein Dorn im Auge.
So begann ich, die empfohlenen Lektüren regelmäßig zu studieren. Alles was ich durch sie erlernte, erweiterte meinen Horizont und ich begriff, dass zum Beispiel das Erlernen der Mathematik wichtig ist, um die Physik zu beschreiben und zu verstehen – die Physik wiederum braucht man, um etwa die Biologie und Biochemie besser zu erkennen – die Biologie spiegelt sich beispielsweise sowohl in sozialen Strukturen bis hin zur Politik wider – die Sprache benötigt man, um sich ausdrücken zu können, um seine Gedanken zu transportieren – Fremdsprachen sind wichtig, damit man sich in fremden Ländern besser verständigen kann und die lokalen Gegebenheiten besser begreift und versteht.

Ein Spruch von Alexander Mitscherlich: „Man möchte leben ohne zu altern, und man altert in Wirklichkeit, ohne zu leben“ hat mich von Anfang an sehr beschäftigt. Um dieser Ansicht entgegen zu wirken, und da meine Talente im Bereich Entdecken, Erforschen, Neues ausprobieren und in der Ausdauer liegen, brach ich mir viele Male meine Bänder und Knochen – und das nicht nur beim Sport!

In meinem 17. Lebensjahr besuchte ich die Flugschule in Kempten und legte die Prüfung zum Privatpiloten an meinem 18. Geburtstag ab. Während meiner Matura-Zeit bereitete ich mich gleichzeitig auf die Prüfung zum Berufspiloten vor. Schon einen Tag nach der Matura flog ich in die USA und absolvierte dort sowohl die theoretische, als auch die praktische Prüfung zum Berufspiloten.
Im Herbst desselben Jahres inskribierte ich an der Medizinischen Fakultät in Innsbruck für das Fach Medizin. Trotz des Studiums fand ich mehrmals jährlich Zeit, meine Flugerfahrung in den USA zu erweitern. Während der Semesterferien half ich in der Flugschule in Kempten mit und arbeitete als Pilot, indem ich Alpenrundflüge durchführte.

Weiters verbrachte ich wiederholt meine Semesterferien unter anderem an der Universität in Göteborg in Schweden, sowie in Davis – Kalifornien, um Klarheit zu erlangen, in welche Richtung es mit meiner Stammzellforschung gehen soll. Damals war die Stammzellforschung noch eine sehr junge Disziplin und die einzigen Stammzellen, die man kannte, waren Stammzellen aus dem Blut (auch hier war man sich noch sehr uneinig, ob es wirklich „die Stammzelle“ gibt und wie man eine solche definieren kann).

Eine wichtige Erfahrung in meinem Leben war für mich die Beschäftigung mit der Philosophie, der ich mich oft und ausgiebig widmete. Auf Spinoza kam ich über „Slaughterhouse-Five“ von Kurt Vonnegut durch folgende Textstelle:
„Why you? Why us for that matter? Why anything? Because this moment simply is. Have you ever seen bugs trapped in amber?”…”Well, here we are, Mr. Pilgrim, trapped in the amber of this moment. There is no why.” “All time is all time. It does not change. It does not lend itself to warnings or explanations. It simply is. Take it moment by moment, and you will find that we are all,…,bugs in amber”.

Ich legte mir den Determinismus zurecht und wollte so leben, als würde ich den Moment immer leben. Je mehr man gute Momente erlebt, umso mehr lebt man gute Momente für immer.

Alles im Leben muss hart erarbeitet werden, Talente alleine sind nicht genug und nichts auf der Welt kommt einfach dahergeflogen, auch eine Karriere muss man sich erkämpfen und sie wird einem nicht in die Wiege gelegt! Je früher man sich Ziele setzt und beginnt daran zu arbeiten, desto besser wird das Gelingen sein! An dieser Stelle muss ich Pierre Vanderzwalmen (→ Publikationen) anführen, ein Freund und Wegbegleiter, der meiner Meinung nach einer der brillantesten Wissenschaftler ist und der mich seit fast 20 Jahren begleitet und hilft, gesetzte Ziele zu verwirklichen.

Zwei Kongresse, die ich während meines Studiums besuchte, haben mich geprägt und sie verhalfen mir auch dazu, in den wissenschaftlichen Kreisen Bekanntheit zu erlangen.
Der erste Kongress war in Aachen (Rolduc-Workshop) knapp vor meiner Promotion, bei dem ich Forschungsergebnisse einer Arbeitsgruppe widerlegen konnte! Man muss sich vorstellen – hier war ein 25 jähriger Student, der Dinge besser wissen sollte als anerkannte Wissenschaftler? Hier sprechen wir von Teammitgliedern, die das erste Tier weltweit kurz zuvor kloniert hatten (Schaf “Dolly” – Keith Campbell). Ich saß in der ersten Reihe (be a front seater) und musste mehrmalig gegen Behauptungen, die in einem Vortrag aufgestellt wurden, argumentieren (speak up). Bevor ich Gehör fand, habe ich wiederholt zu Ergebnissen, die präsentiert wurden, nachgefragt, jedoch jedes Mal ohne eine schlüssige Antwort zu bekommen. Zuerst ging ein Murren durch den Saal und man hörte von allen Seiten ein Tuscheln und Raunen, ich solle mich endlich setzen und still sein. Doch da meldete sichTeruhiko Kuwayama, der weltweit erstmalig Mäuse mit Hilfe der sogenannte „Honolulu Technik“ in demselben Jahr geklont hatte, zu Wort und sagte laut: „He is right!“ Von da an wurde ich in den wissenschaftlichen Kreisen respektiert und anerkannt.

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Nicolas Zech und Keith Campbell (Galaabend 25 Jahre IVF Zentren Prof. Zech)


Der zweite Kongress war in Kilpisjärvi, in Finnland 1999. Ein kleiner Kreis von ausgewählten Top-Wissenschaftlern kam damals zusammen und stellte neue Ergebnisse vor. Ich präsentierte eine Theorie mit folgendem Titel: „Possible deleterious effects of the “shock wave” on cryopreserved embryos during laser assisted hatching“. Robert Edwards war einer der Teilnehmer und ich weckte seine Aufmerksamkeit. Gemeinsam diskutierten wir meine Theorie bis spät in die Nacht hinein.

Robert Edwards (r) und Nicolas Zech (l), Kilpisjärvi, Finnland 1999

Meine Doktor-Arbeit machte ich im Labor der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der Universität Innsbruck. Das Thema waren die Blut-Stammzellen – und wie man diese Stammzellen vor einer Chemotherapie optimal aus dem Knochenmark mobilisieren kann. Bevor ich meine Ausbildung zum Facharzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsspital in Zürich absolvierte, war ich im Landeskrankenhaus in Bregenz an verschiedenen Abteilungen tätig. In dieser Zeit pendelte ich viel zwischen Bregenz und Innsbruck (vor allem nach Dienstschluss im Krankenhaus Bregenz), da ich weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Blut-Stammzellen in dem Labor, in dem ich dissertierte, verfolgte.
Yury Verlinsky, der weltweit zum ersten Mal die genetische Diagnostik an Eizellen durchführte, gab mir die Möglichkeit, für zwei Jahre bei ihm in Chicago zu forschen. Yury Verlinsky und Bob Edwards gründeten vor längerer Zeit den Don Quijote-Klub (Die, die gegen die Windmühlen kämpfen!), bestehend aus ca. 20 Top-Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin, Stammzellforschung und Klonierung. In diesen Klub wurde ich aufgenommen, was für mich sehr ehrenhaft war.
Nach meiner Rückkehr aus den USA habilitierte ich an der Medizinischen Universität Graz im Gesamtfach der Gynäkologie und Geburtshilfe mit einem zusätzlichen Schwerpunkt „Reproduktionsmedizin und Stammzellen“. Gleichzeitig nahm ich meine ärztliche Tätigkeit in unseren IVF-Zentren auf.

Wir sind ein Familienbetrieb und auf Expansionskurs. Derzeit bestehen 7 Zentren in 6 verschiedenen Ländern. Nicht nur meine Eltern, meine Frau, meine Geschwister, mein Schwager und meine Schwiegermutter sind Teil dieses familiären Betriebes – sondern das gesamte Team in den Zentren ist Teil einer großen Familie.
Das Glück der Paare, ein eigenes Kind zu haben, deren Dankeskarten, das Arbeiten mit den neuesten Technologien, die ständigen Fortbildungen und alles was da noch dazugehört, sind für mich sehr motivierend und führen mich nach unserem Leitbild – Der Exzellenz verpflichtet – stets vorwärts.

An der Harvard Business School (2009-2011) erlangte ich die Kenntnisse, um einen größeren Betrieb leiten zu können.

Im Jahre 2000 lernte ich meine Gattin Yvonne kennen und lieben. Wir heirateten am 20.07.2007. Im Oktober des darauffolgenden Jahres kam unsere Tochter Romy zur Welt, und im Jahr 2010 unser zweites Töchterchen Lilly. Schon im zarten Alter von knapp 4 und 6 Jahren sehen meine Töchter, wie viel Spaß und Freude ich an meiner Arbeit habe. Sie kommen mich gerne regelmäßig im Zentrum besuchen oder abholen.

Wohin die Reise geht, kann ich nicht sagen. Ziele muss man sich setzten und kompromisslos verfolgen, um vorwärts zu kommen, zu wachsen und letztlich um glücklich zu sein!

“Dare to be great, Dare to be powerful beyond measure, Be a champion and Think different!”
(www.youtube.com/watch?v=OtAdneAfzcc / www.youtube.com/watch?v=D1R-jKKp3NA)


Links:
» “Der Liebe Leben geben”: 30 Jahre Leitfaden und Motivation einer Familie – 30.000 Mal Wegbereiter zum Familienglück

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