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Erhöhtes Hypertonie-Risiko durch IVF?

Neue Studie sorgt für große Verunsicherung unter den Patienten

Symbolbild | Foto: Shutterstock

Aktuell schlägt die kürzlich veröffentlichte Studie (siehe Link) einer Schweizer Arbeitsgruppe über das erhöhte Risiko von Bluthochdruck bei Kindern, die mittels IVF-Behandlung gezeugt wurden hohe Wellen, nicht zuletzt durch die permanente mediale Berichterstattung. Befeuert wurde dies zusätzlich durch die Aussagen eines Seniorautors dieser Publikation mit der Forderung, IVF als kardiovaskulären Risikofaktor, ähnlich wie Rauchen, einzustufen (NZZ vom 07.09.2018).

Die Studie stellt also Kinderwunschbehandlungen unmittelbar mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung. Dies führt natürlich zu großer Verunsicherung bei Paaren, die entweder bereits in einer Behandlung sind oder sich noch überlegen, ob sie reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Umso wichtiger ist uns in den IVF Zentren Prof. Zech eine wissenschaftlich-analytische Auseinandersetzung mit dieser Studie und damit unsere Patientenpaare faktenbasiert aufzuklären. Wir haben diesbezüglich eine Stellungnahme im herausgebenden Fachmagazin Journal of the American College of Cardiology platziert (weitere folgen), die wir hier kurz erläutern.

Geringe Fallzahl

Bei der erwähnten Studie handelt es sich um eine sogenannte Follow-Up Untersuchung an lediglich 54 „IVF-Kindern“ aus einer einzigen Schweizer Fertilitätsklinik. Als Fall-Kontroll- Studie konzipiert, wurde weder die inkludierte Studiengruppe, noch die Vergleichsgruppe randomisiert. Daher wird die wissenschaftliche Evidenz dieser Studienart niedrig eingestuft. Eine kürzlich publizierte Meta-Analyse (siehe Link) unterstützt die bei Meister et al., postulierte kausale Verbindung zwischen ART (Assisted Reproductive Technologies) und kardiovaskulären Veränderungen nicht. Kurz zur Erklärung: Eine Meta-Analyse ist quasi der Rolls-Royce unter den Studien. Hier werden alle weltweit erstellten Studien analysiert und entsprechende Tendenzen abgeleitet.

Informationen über Anamnese, Infertilität und Techniken fehlen

Neben dem Studiendesign und der geringen Zahl an Probanden weist die Studie von Meister et al., noch weitere Lücken auf. So fehlt eine vollständige kardiovaskulär bedeutsame Anamnese der Eltern sowie eine Beschreibung der Hintergründe zur Infertilität bzw. eine genaue Ausführung der IVF-Techniken, die angewandt wurden. Um eine sachliche Beurteilung vornehmen zu können, wäre dies von größtem Interesse, weil die Autoren reproduktionsmedizinisch-induzierte epigenetische Ursachen für die kardiovaskulären Veränderungen verantwortlich machen. Ungehindert der geringen Fallzahl und den beschriebenen anamnestischen Lücken wird eine kausale Verbindung zwischen den gesundheitlichen Veränderungen bei Kindern und der IVF-Technik postuliert.

Bereits früher Daten aus dem Tiermodell übernommen

Schon die erste Studie der gleichen Arbeitsgruppe an derselben Patienten-Kohorte (Scherrer et al., 2012) stand in der Kritik (siehe Link), Daten aus dem Tiermodell auf die IVF zu übertragen. Dabei führten die Autoren mögliche epigenetische Ursachen ins Feld und verwiesen auf eine eigene Studie bei der Mäusen, die mittels IVF entstanden waren, eine vermehrt fehlerhaftes Imprinting bzw. Methylierung des eNOS Gens (endotheliale NO-Synthase – ein Blutdruck regulierendes Enzym) aufwiesen. Jedoch sind Daten aus Tiermodellstudien, gerade in Bezug auf Fortpflanzung und Embryogenese, nur äußerst begrenzt auf den Menschen übertragbar!

Kausale Verbindung ist unseriös

Angesichts dieser Fakten kann festgehalten werden, dass die von den Autoren postulierte Verbindung zwischen Reproduktionsmedizin und kardiovaskulären Risiken mit der implizierten Extrapolation auf alle „IVF-Kinder“ nicht nur fragwürdig sondern hochgradig unseriös ist. Zudem wirft diese Vorgehensweise zahlreiche Fragen zu den Mindestqualitätsanforderungen wissenschaftlicher Arbeiten und ihrer medialen Kommunikation auf, die sich als Effekthascherei manifestiert.

Mediales Prinzip schürt Ängste

Es entspricht der heutigen Arbeitsweise vieler Medien, vermeintliche Forschungsergebnisse als News verpackt, voreilig und reißerisch zu publizieren. Dieses Prinzip ist kontraproduktiv, verunsichert und schürt Ängste. Es wird meist ein Problem dargestellt, wie hier ein erhöhtes Hypertonie-Risiko durch IVF, jedoch ohne genügend Informationen dafür zu liefern, um die Situation zu rekonstruieren und einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Speziell in der IVF können viele Faktoren eine Rolle spielen, selbst genetische Beeinträchtigungen, die ggf. auf das Kind vererbt werden. Deshalb sollte immer auch die medizinische Vorgeschichte der Paare (Anamnese), die Ausprägungen der Infertilität und die angewandten Diagnose- und Behandlungsmethoden für eine mögliche Beurteilung herangezogen werden.

Das Ziel einer jeden IVF-Therapie ist eine intakte Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Kindes, wie der Leiter der NEXTCLINIC IVF Zentren Prof. Zech – Bregenz (AT), Dr. Maximilian Murtinger, abschließend unterstreicht:

M. Murtinger

„Wir legen besonders großen Wert auf die Sicherheit und Qualität für unsere Paare, und vor allem auf deren Vertrauen in unsere Tätigkeit. Unsere Behandlungen basieren auf der Grundlage von gesetzlich geregelten-, wissenschaftlich abgesicherten- und medizinisch fortschrittlichen Verfahren. Im Mittelpunkt stehen dabei immer das Patientenwohl und die Gesundheit aller Beteiligter.“


Links:
» Association of Assisted Reproductive Technologies With Arterial Hypertension During Adolescence

(Studie | https://www.sciencedirect.com)

» Cardiovascular and metabolic profiles of offspring conceived by assisted reproductive technologies: a systematic review and meta-analysis

(Meta-Analyse | https://www.ncbi.nlm.nih.gov)

» Letter by Andreassi Regarding Article

(Letter | https://www.ncbi.nlm.nih.gov)

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