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“Wie die Nase des Mannes, so auch sein ‘Johannes’!”

Mythen vs. Fakten männlicher Sexualität

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Symbolbild | Foto: Shutterstock

Im vorangegangenen Blog-Beitrag (→ “Von Venus über Casanova bis Marilyn Monroe…”) schrieb ich über die Entstehungsgeschichte der sexuellen Mythen bis in unsere Zeit. Vor diesem Hintergrund möchte ich nun anhand zweier bekannter Beispiele folgenden Fragen nachgehen:

Welche Mythen zur männlichen Sexualität halten sich jedoch heutzutage noch hartnäckig?

Können diese inzwischen anhand wissenschaftlicher Untersuchungen als bestätigt oder als falsch erwiesen werden?

Mythos Nr. 1: “Wie die Nase des Mannes, so auch sein ‘Johannes’!”
Dieser Mythos kommt nicht von ungefähr. Jedoch kann die Antwort „ja“ nur bei besonders hochgewachsenen, schlanken Männern mit einer endokrinologischen (hormonell bedingt) Erkrankung, welche in der Fachsprache “Akromegalie” genannt wird, gegeben werden. Das bedeutet, dass die Körperenden (Arme, Beine, Finger, Nase, Penis) einige Millimeter weiter wachsen, wenn die Wachstumsfugen bereits geschlossen sind und der Körper weiterhin extrem viele Wachstumshormone produziert. Für alle anderen Männer gilt dies nicht. (Experte 1, Zeilen 74-92)
Wissenschaftler haben ebenfalls versucht, aus der Differenz zwischen Ringfinger und kleinem Finger Rückschlüsse auf die Länge des Penis zu ziehen. Diese Forschungen ergaben jedoch, dass es keine zusammenhängenden Faktoren gibt. (Experte 2, Zeilen 50-53)

Nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand sind keine Zusammenhänge von Körperstellen bekannt, welche Rückschlüsse auf die Länge des Penis schließen lassen. Somit ist dieser Mythos als falsch erwiesen.

Mythos Nr. 2: “Nach 5000 Schuss ist Schluss!”
In der Theorie kann die Rechnung aufgestellt werden, dass ein Mann ungefähr 50 Jahre seines Lebens ejakulieren kann und von dreimal pro Woche ausgegangen werden soll (3 x 52 x 50 = 7800). In der Realität nimmt die Ejakulationshäufigkeit im Alter ab, so erhält man ungefähr die „5000 Schuss“, sind sich die Experten einig. Einziger Nachteil im Alter ist, dass das Ejakulat gemächlicher herausfließt. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck u. a. können frühzeitig zu einem Ende der Ejakulationsfähigkeit führen. Ausgegangen von allen Männern, kann dieser Mythos als wahr angesehen werden. Der Mythos deckt sich rein mathematisch mit den Fakten und wird als verifiziert bestätigt.

Regelmäßiges Ejakulieren als Fertilitätstraining
Vergleichbar mit dem Muskeltraining und der Lebensweise von Sportlern, welche nicht nur intensiv trainieren, sondern auch zusätzlich akribisch genau auf eine Balance zwischen ausgewogener Ernährung, Ruhephasen, Temperatur etc. achten, mit dem erklärten Ziel, besser zu funktionieren und das Maximale an Leistung herauszuholen, gilt inzwischen als erwiesen: Selbiges betrifft den Penis inklusive das dazugehörende sexuelle System. (Vgl. Zilbergeld 2000, S. 89)

Der aus dem Volksmund stammende Mythos “Wer rastet, der rostet!” (Urheber unbekannt) kann sich anhand dieses Beispiels in Umkehrfolge als bestätigt zeigen. Der Aspekt, sich körperlich und gesund zu betätigen, bekommt, speziell in diesem Zusammenhang, eine salutogenetisch orientierte Sichtweise auf das Leben.

Auch Fertilitätsexperte Univ. Doz. Dr. Nicolas Zech rät seinen männlichen Patienten im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung zum sogenannten “Spermientraining”. Den Männern wird dabei empfohlen, wenn möglich vier bis fünf Mal in der Woche mit oder ohne Partnerin zu ejakulieren. Dadurch wird das Spermienbild (Spermiogramm) nachhaltig positiv beeinflusst, was wiederum für eine Kinderwunschbehandlung von essentieller Bedeutung ist.

Ob nun “Die Nase des Mannes” oder “Nach 5000 Schuss” – Mythen sind jedenfalls nette Geschichten, welche mit Schmunzeln weitererzählt werden können.


Quellen
• “Wie die Nase des Mannes, so auch sein ‘Johannes’!” (Bayer 2013, Internet)
• “Nach 5000 Schuss ist Schluss!” (Glamour 2014, Internet)
• Transkription Experteninterview Herr Univ. Prof. Dr. med. Hans Helmut Pusch (Tanja Ströhle: Mythen und Fakten der männlichen Sexualität, 2014)
• Transkription Experteninterview Herr MR Dr. Sigg (Tanja Ströhle: Mythen und Fakten der männlichen Sexualität, 2014)
• Zilbergeld, Bernie: Die neue Sexualität der Männer. 4. Auflage. dgvt-Verlag, Tübingen 2000

→ weitere Beiträge zum Thema im Special »Was Männer über Fruchtbarkeit, Spermienqualität und ‘Künstliche Befruchtung’ (IVF) wissen sollten«

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