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Hormone – Botenstoffe des Lebens

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Symbolbild | Foto: Shutterstock

Die hormonelle Stimulation der Frau ist ein wesentlicher Bestandteil einer Kinderwunschbehandlung. Unabhängig davon ob der Grund der Infertilität beim Mann, der Frau oder bei Beiden liegt, muss sich die Frau einer Hormonbehandlung (Follikel-Stimulation) unterziehen.

Keine Angst vor der Stimulation
Bei der Stimulation wird hormonell in den natürlichen Zyklus der Frau eingegriffen, damit gezielt Follikel im Eierstock heranreifen. Aus unserer Erfahrung in den IVF Zentren Prof. Zech wissen wir, dass die Frauen meist nicht begeistert sind, eine hormonelle-medikamentöse Therapie auf sich zu nehmen. Die größten Bedenken sind der veränderte Gemütszustand und die mögliche Gewichtszunahme.

Die Hormontherapie kann sich mit psychischen und physischen Reaktionen bemerkbar machen. Im Allgemeinen können z.B. Schlafstörungen, Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Gemütsschwankungen, Hitzewallungen, Übelkeit als Nebenwirkungen auftreten. Dies ist aber temporär und geht vorüber. Die Frauen sind in Ihrem Alltag nicht eingeschränkt, jedoch werden die meisten Symptome – die nur während der Therapie auftreten – als unangenehm empfunden. Das große Ziel vor Augen, nämlich das ersehnte Wunschkind, lassen diese Strapazen jedoch recht klein erscheinen.

Erst Abklären – dann Starten
Die einzelnen Teile unseres komplexen Hormonsystems sind gekoppelt und reagieren sehr sensibel auf äußere Einflüsse, Stress, Ernährung, (Vor-)Erkrankungen, Tageszeit, Tag-Nacht Rhythmus, Alter, etc. Dies kann sich dann dementsprechend negativ oder positiv auf den Hormonspiegel auswirken.
Bevor eine Hormontherapie überhaupt begonnen werden kann, muss zuerst der aktuelle Hormonstatus der Frau überprüft werden. Nur wenn sich hier keine Abweichungen von den Normwerten zeigen, kann mit der IVF-Therapie gestartet werden bzw. die Behandlung darauf abgestimmt werden.

Vorwiegend werden folgende Hormone untersucht: Prolaktin, FSH, LH, DHEA, Progesteron, TSH, Estradiol (E2) und Testosteron, welche von den Hirnanhangsdrüse, Nebennierenrinde und Gonaden produziert werden. Außerdem werden die Schilddrüsenhormone analysiert. Je nach Indikation der Infertilität und medizinischer Vorgeschichte der Kinderwunschpaare werden mitunter noch weitere Hormonparameter (auch die des Mannes) mit berücksichtigt.

Um aussagekräftige Befunde erstellen zu können, ist es wichtig, dass die Bestimmung des weiblichen Hormonstatus in der ersten Zykluswoche erfolgt. Ein Tag vor der Blutabnahme, sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Starkes massieren der Brüste gilt es ebenso zu vermeiden wie Stress. Die Blutabnahme sollte im nüchternen Zustand erfolgen.

Zeigen die Hormone gewisse Abweichungen, können diese – je nach Schweregrad – entsprechend medikamentös eingestellt und stabil gehalten werden (ein Beispiel bzgl. TSH-Wert).
Somit steht einer optimalen Stimulation und dem ersten Schritt zum Wunschkind nichts mehr im Wege.

Kleine Ursache und große Wirkung
Wenn es Störungen in unserem Hormonablauf gibt, gerät vieles aus dem Gleichgewicht. Viele hormonelle Abläufe sind uns nicht bewusst, haben aber eine enorme Wirkung auf unseren Körper und die Psyche. So können etwa Stimmungsschwankungen im Zyklus, wie z.B. beim prämenstruellen Syndrom (PMS), hormonell bedingt sein. Sogenannte Wechseljahre-Beschwerden, die sich z.B. durch starkes Schwitzen, depressive Verstimmungen, unregelmäßige Blutungen äußern, sind Symptome, die hormonell gesteuert werden.

Schilddrüse: Das hormonelle Organ
Die Schilddrüse ist maßgeblich für unseren Stoffwechsel. Dieses Organ steuert unter anderem Herz, Kreislauf, Körpertemperatur, Verdauung und vieles mehr. Die ersten Anzeichen, dass hier eine hormonelle Störung vorliegen kann, sind z.B.: Gewichtsschwankungen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung, Haarausfall etc.

Die Schilddrüse ist übrigens auch ganz wichtig für die menschliche Fortpflanzung. Über- oder Unterfunktion bzw. Erkrankungen dieses Organs können sich massiv auf die Fertilität auswirken. So ist die Hashimoto-Thyreoiditis häufig Ursache für Menstruations- und Fertilitätsstörungen oder die Ursache für habituelle Aborte (alle Details zu dieser Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung im Blog “Wenn das Immunsystem nichts Gutes im Schilde führt…”).

Hormone: komplexe und sensible Vorgänge im Körper
Hormone sind körpereigene Botenstoffe , die vorwiegend von ganz bestimmten Zellen produziert werden. Hormone werden meist über die Blutbahn abgegeben um an andere (Ziel-) Organe zu gelangen, worauf diese dann dementsprechend spezifisch darauf „antworten“ können. Dabei wird die hormonelle Ausschüttung durch ein recht kompliziertes und komplexes Rückkopplungssystem gesteuert. Zu den Aufgaben der Hormone zählen unter anderem die Fortpflanzung, das Wachstum und der Stoffwechsel.

Den Begriff Hormon gibt es eigentlich schon sehr lange. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dabei zum ersten Mal der Begriff Hormon geprägt. Das Wort Hormon kommt aus dem griechischen und leitet sich von „hormān“ ab und bedeutet so viel wie „antreiben bzw. anregen“. Man fand heraus, dass es sogenannte „endokrine Drüsen“ im Körper gibt, wie etwa die Schilddrüse, die Nebennieren oder die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die diese Vielzahl an Botenstoffen produzieren. Diese werden, sozusagen als Post, an andere (auch weiter entfernt liegende) Organe in unserm Körper geschickt damit diese angeregt und aktiv werden.
So beginnt etwa auch der weibliche Zyklus eigentlich im Kopf, nämlich in der Hirnanhangsdrüse. Diese Drüse produziert unter anderem das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH). Diese Hormone werden als Signalstoffe an die Eierstöcke gesendet. Das Ovar reagiert auf diese Meldung und lässt mehrere Follikel (Eibläschen) wachsen, bei dem schlussendlich ein Leitfollikel heranreift. Letztendlich kommt es zur Ovulation (Eisprung), der Vorrausetzung dass die Eizelle befruchtet werden kann.

Geschlechtshormone: Verantwortlich für den „kleinen“ Unterschied
Sexualhormone werden unter anderem in den Gonaden (Geschlechtsdrüsen) produziert und steuern letztendlich auch deren Entwicklung. Die Gonaden sind die Geschlechtsdrüsen (griechisch „gone“). Bei dem Mann umfasst dies die Testes (Hoden), bei der Frau die Ovarien (Eierstöcke).
In den Hoden des Mannes werden vorwiegend die androgenen Hormone, wie z.B. Testosteron gebildet, das unter anderem den Stimmbruch in der Pubertät verursacht und das Muskelwachstum und die Körperbehaarung steuert.
Bei der Frau sind es Estrogene und Gestagene, wie z. B. Progesteron, das in den Ovarien (Eierstöcke) produziert wird und z.B. auf den Eisprung, die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), Fettablagerung und vieles mehr Einfluss haben kann. Beide Geschlechter produzieren sowohl weibliche wie männliche Hormone, die sich aber in Konzentration und Wirkungsweise sehr unterscheiden können.

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Einige Hormone im Überblick:
  • Prolaktin: auch Laktotropin genannt, ist für die Milchsekretion und während der Stillzeit verantwortlich. Prolaktin unterdrückt den Eisprung. Ein zu hoher Prolaktin-Spiegel kann ein Ausbleiben der Menstruation verursachen (Amenorrhoe). Dieses Hormon kann während der Schwangerschaft auch ein „Brutpflegeverhalten“ bei weiblichen sowie auch bei männlichen Partnern auslösen.
  • FSH: follikelstimulierende Hormon oder Follitropin genannt. Dieses Sexualhormon wird bei beiden Geschlechtern im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse gebildet. Bei der Frau führt es zum Follikelwachstum und Eizellreifung. Bei dem Mann regt es zur Spermienbildung (Spermatogenese) an.
  • LH: luteinisierende Hormon/Lutropin wird ebenso im Hypophysenlappen gebildet. Bei der Frau fördert es den Eisprung.
    Sobald ein Anstieg des LH-Spiegels im natürlichen Zyklus stattfindet, kann man den LH-Wert im Urin testen (Ovulationstest). Bei dem Mann stimuliert LH u.a. die Bildung von Testosteron.
  • Testosteron: Dieses Hormon wird bei beiden Geschlechtern vorwiegend in den Geschlechtsdrüsen produziert, aber auch im geringen Maße aus der Nebennierenrinde. Die Vorläufer von Testosteron sind die Gestagene und DHEA. Testosteron wirkt sich z.B. auf das Wachstum und die Libido aus.
  • DHEA: Dehydroepiandrosteron ist die Vorstufe (Prohormon) von den männlichen Sexualhormonen (Androgene) und den weiblichen Sexualhormonen (Estrogene). Dieses Hormon wird in der Nebennierenrinde produziert (bei Frauen auch in den Ovarien) und hat ein Einfluss auf unser Immunsystem und wird auch gelegentlich als“ Anti-Aging“-Hormon bezeichnet.
  • Estradiol/E2: ein natürliches Estrogen. Es fördert das Wachstum von Vagina, Gebärmutter, Eierstöcke, etc. E2 regt das Endometrium zum Wachstum an. Beim Mann kann ein zu hoher E2 Spiegel zu einer Vergrößerung der Prostata führen. Ein zu hoher E2 Spiegel beim Mann führt zu einer „Verweiblichung“.
  • Progesteron: Auch Gelbkörperhormon genannt. Die wichtigste Funktion des Progesterons, ist der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft. Bei dem Mann spielt das Hormon eine weniger wichtige Rolle und wirkt hauptsächlich als Steuerelement für andere Stoffwechselvorgänge.
  • TSH: Thyreoida-stimulierendes Hormon: Dieses Hormon wird im Hypophysenvorderlappen produziert und wirkt sich auf die Schilddrüsenproduktion und der Jodaufnahme aus.

→ lesen Sie dazu auch »Der Beginn einer Kinderwunschbehandlung – Teil 2 Follikel-Stimulation«

→ weitere Beiträge zum Thema im Special »Hormonelle Stimulation bei Kinderwunschbehandlungen«

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