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„Es liegt mir NICHT im Blut…“

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Symbolbild | Foto: Shutterstock

Das Sprichwort „Das liegt mir im Blut“ bezieht sich meist auf Charaktereigenschaften, die einem angeboren bzw. vererbt worden sind und/oder der „inneren Natur“ entsprechen.
Immer wieder werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Genetik medial hochgepriesen – So auch eine Studie aus dem Jahr 2011 (siehe Links), die postulierte, dass Frauen mit der Blutgruppe 0 gegenüber Trägerinnen für A oder AB ein zweifach erhöhtes Risiko für eine verminderte ovarielle Reserve hätten. Als Basis für die Bestimmung der Fruchtbarkeit diente dabei das Serum-FSH.

Müssen sich Frauen mit Blutgruppe 0 also mehr Sorgen um ihre Familienplanung machen als andere?

Um dieser Frage nachzugehen, haben wir in einer retrospektiven Single Center Studie an den
IVF Zentren Prof. Zech – Salzburg insgesamt 1889 IVF Zyklen im Hinblick auf die Blutgruppenzugehörigkeit analysiert und anhand unterschiedlicher Altersgruppen ausgewertet (siehe Links). Untersucht wurden dabei nicht die hormonellen Serumkonzentrationen, sondern die Anzahl bei der Punktion gewonnen Eizellen, reifen Eizellen (Metaphase II Oozyten), die Befruchtungsrate sowie die Schwangerschaftsrate. Das Resultat:

In keiner Altersgruppe – auch nicht bei älteren Patientinnen – zeigte sich bei Trägerinnen einer bestimmten Blutgruppe ein signifikanter Unterschied.

Nun muss man ganz klar sagen, dass die ovarielle Reserve mit zunehmendem Alter der Frau abnimmt. Allerdings kann die ovarielle Reserve in vergleichbaren Altersgruppen auch sehr unterschiedlich sein. Die prognostischen Marker zur Bestimmung der ovariellen Reserve, wie eben über die Serumkonzentration von FSH oder AMH, besitzen aber nur eine begrenzte Aussagekraft (Lesen Sie dazu gerne auch unseren Beitrag „AMH-Wert – Schwangerschaftsprognose oder doch nur ein Laborbefund?“). Selbst eine Bestimmung des Fertilitätspotentials mittels Ultraschall, bei der die Anzahl aller Follikel zwischen 2 und 10mm in der frühen Follikelphase (Antraler Follikelcount=AFC) gemessen wird, ist zwar relativ aussagekräftig, spiegelt aber auch nicht unbedingt das wahre Fertilitätspotential im Hinblick auf eine Schwangerschaft wider.

Deshalb ist es unser Ziel, möglichst viele Parameter in die Beurteilung der Schwangerschaftschancen eines Kinderwunschpaares einfließen zu lassen, um somit eine wesentlich genauere Prognose erstellen zu können. Diese Parameter fassen wir in einem Standard zusammen, dem EGP (Expected Gametes Performance). Damit richten wir den Fokus auf die entstandenen Blastozysten und wollen eben nicht nur Labor-Parameter, Ultraschallbefunde und Eizellzahl, sondern auch das Stimulationsprotokoll, die IMSI Resultate, die Embryo-Kulturtechnik, die Tiefgefriertechnik etc. berücksichtigen.

Mythen und Fakten

Manche Publikationen basieren mehr auf Mythen als auf einer fundierten wissenschaftlichen Datenlage. Im Bereich der Reproduktionsmedizin scheint die entsprechende Welle an Informationen über das Internet nahezu ungeregelt über uns hereinzubrechen. Gerade bei der Veröffentlichung von Studien werden meist jene von den Medien aufgegriffen, die besonders spektakulär erscheinen und dem Leser dann im Gedächtnis haften bleiben. Für ein Kinderwunschpaar ist es oft schwer, die Fakten herauszufiltern.

„Es ist nicht alles Gold was glänzt“…

…könnte das Fazit lauten. Denn, nach unseren Ergebnissen gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Blutgruppenzugehörigkeit im AB0-System und dem weiblichen Fertilitätspotential. Die These, dass Frauen mit der Blutgruppe 0 eher ein Fertilitätsproblem bekommen als andere, könnte sich also eher in die Kategorie der Mythen als in die der Fakten einreihen.


Links:
» Implications of blood type for ovarian reserve

(Publikation 2011 | https://academic.oup.com)

» Implications of Blood Type for Ovarian Reserve and Infertility – Impact on Oocyte Yield in IVF Patients

(Publikation 2014 | https://www.ncbi.nlm.nih.gov)

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