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Risiken und Nebenwirkungen lauern im Alltag

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Symbolbild | Foto: Shutterstock

Ob Nahrungsmittel, Pflegeprodukte, Reinigungsmittel oder andere Dinge des täglichen Gebrauchs – wir sind rund um die Uhr mit diversen Zusatzstoffen, Konsistenzgebern, Geschmacksverstärkern, Konservierungs- und Farbstoffen, Chemikalien und vielen anderen Schadstoffen konfrontiert. Je nach Stoffklasse und Menge sind diese auch gesundheitsschädlich, reizend, giftig und/oder haben negativen Einfluss auf unsere Fortpflanzungsfähigkeit …

Verringern androgene Umweltfaktoren die Chancen aufs Wunschkind?


Regional oder global?

Seit mehr als 30 Jahren wird mittlerweile debattiert, ob die menschliche (insbesondere die männliche) Fertilität abnimmt oder nicht und wenn ja, woran es liegt. Diesbezügliche Studien bringen teils recht widersprüchliche Ergebnisse – manche implizieren, die Fruchtbarkeit würde weltweit abnehmen, andere sehen Veränderungen lediglich auf regionaler Ebene.

Frauenüberschuss aufgrund von Schadstoffen?

Fragen wirft auch die Veränderung des Geschlechterverhältnisses Neugeborener bestimmter Ethnien auf. Bei den Inuit in der Arktis beispielsweise gibt es heutzutage gravierend mehr Frauen als Männer. Medien und Literatur ist zu entnehmen, dass die Schadstoffbelastung bei den Inuit teilweise enorm ist. Vermutlich ist der verminderte Abbau von Schadstoffen aufgrund der geringeren Temperaturen und deren damit verbundene Anreicherung im Fettgewebe von Mensch und Tier (Bioakkumulation) die Ursache für das Ungleichgewicht der Geschlechter. Gesichert ist diese Annahme jedoch nicht.

Große Katastrophen

Juli 1976, ca. 20 Kilometer nördlich von Mailand: Als Seveso-Unglück ging der damalige Chemieunfall, bei dem unbekannte Mengen des Dioxins TCDD freigesetzt wurden, in die Geschichtsbücher ein. Ist es Zufall, dass innerhalb von acht Jahren nach dem Unfall das Verhältnis Neugeborener von besonders belasteten Eltern bei 48 Mädchen zu nur 26 Jungen stand und neun Paare, die der höchsten Dioxinkonzentration ausgesetzt waren, überhaupt nur Mädchen bekamen? Schwer zu sagen, da die Fallzahlen so gering sind.

Etliche Studien besagen, dass Umweltverschmutzung und schlechte Spermienmorphologie bzw. -motilität korrelieren, wie etwa die Mitte der 1990er Jahre erstellte Studie aus dem schadstoffbelasteten Raum Teplice in Tschechien. Viele Forschungsergebnisse zeigen extrem schlechte Spermienqualitäten aufgrund von Biozidbelastung auf. Liegen all diese Analysen falsch mit ihren Auslegungen?

Gefahren im Alltag

In der heutigen Zeit sind wir einer so permanenten Exposition verschiedenster Chemikalien ausgesetzt wie niemals zuvor – und das quer durch alle Lebenslagen. Es stimmt nachdenklich, dass wir Themen wie beispielsweise die IVF-Techniken hinterfragen, aber gesundheitsgefährdende Stoffe des täglichen Ge- und Verbrauchs als gegeben hinnehmen. Nachfolgend ein grober Überblick jener Substanzen und Bereiche, bei denen wir kaum bis gar nicht hinterfragen, ob sie gesundheitsschädlich oder  fruchtschädigend sind:

  • Schlaf: Polyurethan-Schaumkern-Matratzen
  • Körperkult: Duschemulsionen und -dispersionen, Rasierschäume, Deos etc. enthalten u.a. Diethanolamine (DEA), Diethylphthalat, Oxybenzon.
  • Kleidung ist mit Azofarbstoffrückständen, Chlorverbindungen usw. belastet.
  • Nahrung: Durch den Verzehr von Fertigprodukten nehmen wir Unmengen an Zusatz-, Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen auf.
  • Genussmittel: Zigaretten enthalten neben Nikotin und aromatischen Aminen noch Benzol, PAKs, Formaldehyd und vieles mehr. Der Plastik-Kaffeebecher besteht aus Polycarbonat, das Füllstandsanzeigen-Sichtfenster der Kaffeemaschine enthält Bisphenol A (BPA) – einen endokrinen Disruptor, der im Verdacht steht, sich negativ auf Libido und Spermienqualität auszuwirken und möglicherweise die Reifung des Gehirns Ungeborener irreversibel schädigen kann.
  • Hypochlorite, Percarbonate und Perchlorate sind Bestandteile von Reinigungsmitteln.
  • Kassenbons, Parktickets oder Fahrkarten aus Thermopapier sind mit BPA belastet.
  • Die Autoinnenraumluft eines Neuwagens besteht aus Formaldehyd, Benzol und mehr als 50 flüchtigen organischen Verbindungen.
  • Hinzu kommen Feinstaubbelastung, Ausdünstungen aus dem Bürostuhl, Tonerpartikel aus dem Drucker (Kunstharze, diverse Metalloxide) und und und.
Mensch und Tier

Schätzungsweise landen 350 Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren – pro Stunde wohlgemerkt. Untersuchungen des Meeresökologen Richard Thompson (Plymouth University) von Sandproben am Strand von Plymouth ergaben, dass der Sand zu schätzungsweise fünf bis zehn Prozent aus winzigen Plastikteilchen besteht – die über die Nahrungskette anteilsmäßig bestimmt wieder auf unserem Teller landen.

Forscher der Lund Universität fügten einer Algenkultur kleinste Polystyrolteilchen bei, mit der dann Zooplankton gefüttert wurde. Nach einiger Zeit bekamen Karauschen (Karpfenfische) dieses Zooplankton verfüttert. Die entsprechende Studie, erschienen in der Zeitschrift PlosOne, berichtet von Veränderungen der Fettverteilung im Gewebe und des Verhaltens der Karauschen.

Selbstverständlich sind Publikationsergebnisse aus dem Tierreich nicht einfach auf den Menschen übertragbar. Aber wir können doch nicht allen Ernstes glauben, dass Stoffe, die das Verhalten von Fischen und die Fertilität von Mäusen beeinflussen, die Qualität ihrer Embryonen herabsetzen und sich negativ auf die Oogenese von Rhesusaffen auswirken auf Dauer keinerlei Effekt auf unsere – die menschliche – Gesundheit und Reproduktionsfähigkeit haben!

Oxidativer Stress

Endokrine Disruptoren (auch Xenohormone genannt) wirken ähnlich den körpereigenen Hormonen (wie BPA) und greifen damit in das endokrine System ein. Andere Verbindungen, wie etwa die als ROS (Reactive Oxygen Species) bezeichneten Sauerstoffverbindungen, wirken als hochreaktive Substanzen und können Zellbestandteile massiv beschädigen. Machen körpereigene Antioxidantien diese ROS nicht unschädlich und reparieren dadurch Zellschädigungen, spricht man von antioxidativem Stress. Auch Eizellen und gerade Spermien sind davon betroffen. Die Reparaturmechanismen von Spermien reagieren nicht adäquat, weil sie transkriptionell inaktiv sind. Aufgrund ihrer mit besonders vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren beschaffenen Zellmembran sind sie zudem besonders sensitiv für ROS.

Besserung möglich

In unseren IVF Zentren Prof. Zech konnten wir in vielen Fällen durch Verabreichung eines antioxidativen Präparates über einen Zeitraum von mehreren Monaten eine Verbesserung des Spermiogramms feststellen – sowohl hinsichtlich Spermienmorphologie (nach den von uns verwendeten MSOME Kriterien) und -konzentration als auch der Beweglichkeit.

Langzeitwirkung

Umweltgifte und andere Faktoren haben direkten Einfluss auf Gameten (Geschlechtszellen) und Embryonen. Neben zelltoxischen und mutagenen Einflüssen (die direkt die Zellvitalität herabsetzen oder das Erbgut schädigen) können gewisse Stoffe auch epigenetische Veränderungen auslösen. Das Genom (Erbgut) bleibt dabei zwar unverändert, die genomische Prägung (Imprinting) wird jedoch modifiziert.

Ihr Verhalten wirkt sich also nicht nur auf Ihre eigene Gesundheit aus, sondern betrifft auch Ihre Kinder, Enkelkinder und so weiter. Denken Sie daran, bevor Sie Ihre nächste Zigarette genießen, während Sie vor der Mikrowelle darauf warten, dass Ihr Fertiggericht zum Verzehr bereit ist …

Lesen Sie in einem der folgenden Blogbeiträge mehr über epigenetische Einflüsse von Umwelt- und Lifestyle-Faktoren.


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