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Unerfüllter Kinderwunsch – Wann ist eine Hormonbehandlung der Schilddrüse sinnvoll?

| Neue Erkenntnisse zu TSH-Grenzwerten verändern Vorgehensweise bei der Abklärung und Therapie der Schilddrüse

Symbolbild | Foto: Shutterstock / NEXTCLINICS IVF Zentren Prof. Zech

Eine ausgeglichene Schilddrüsenfunktion ist sowohl für die Fruchtbarkeit einer Frau, als auch für eine gesunde Entwicklung des Babys in der Schwangerschaft sehr wichtig. Daher gibt es bestimmte Leitlinien, welche die Referenzbereiche des TSH-Werts festlegen. Zur Abklärung und Behandlung der Schilddrüse orientiert sich eine Ärztin / ein Arzt u.a. an diesen Grenzwerten.

Durch neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet haben wir in den NEXTCLINICS IVF Zentren Prof. Zech, nach genauer Abwägung von internationalen Empfehlungen und Prüfung der wissenschaftlichen Datenlage, unsere Vorgehensweise entsprechend angepasst. Ziel ist es, möglichst wenige Frauen „unnötig“ mit Schilddrüsenhormon zu behandeln, ohne den Erfolg der Kinderwunschbehandlung zu beeinträchtigen, oder eine Gefährdung für die nachfolgende Schwangerschaft zu riskieren.

Das hormonelle Organ

Die Schilddrüse liegt an der Vorderfläche der Luftröhre sowie seitlich, links und rechts des Kehlkopfes. Das Organ produziert die Hormone Tetrajodthyronin T4 und Trijodthyronin T3 (vier und drei Jodatomen). Zudem ist die Schilddrüse mit der Hirnanhangsdrüse gekoppelt. Diese produziert das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH (Thyroidea-Stimulierendes Hormon).

Wie bereits einleitend erwähnt, beeinflusst die Funktion der Schilddrüse auch die Fruchtbarkeit. Bei einer sogenannten Überfunktion (zu niedriges TSH), oder auch bei einer Unterfunktion (zu hohes TSH) kann es zu Störungen des Menstruationszyklus und der Eizellreifung kommen.

Neue Grenzwerte

In den letzten Jahren wurden TSH Werte <2,0-2,5mU/l als optimal bei Kinderwunsch angesehen. Diese Annahmen beruhten einerseits darauf, das 95% der Gesunden einen TSH-Wert <2,5 mU/l aufweisen, andererseits auf dem bisherigen oberen Referenzwert für das 1. Schwangerschaft-Drittel (1. Trimenon) von ebenfalls <2,5 mU/l.

Im Jahr 2017 hat jedoch die Amerikanische Schilddrüsen Gesellschaft (American Thyroid Association, ATA) in ihrer Leitlinie den oberen Grenzwert für das 1. Schwangerschafts-Drittel auf 4,0mU/l erhöht. Da es zudem keine Hinweise gibt, dass sich TSH-Werte zwischen 2,5 und 4,2mU/l negativ auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken, ist nachvollziehbar, dass es ausreicht, wenn die TSH-Werte auch präkonzeptionell im normalen Referenzbereich des Labors liegen.

Änderung im Behandlungsablauf

Dadurch kann verhindert werden, dass Frauen „unnötig“ behandelt, und als „krank“ stigmatisiert werden. Wir haben uns daher nach intensivem Literatur-Studium entschlossen, nur mehr Frauen mit einem TSH-Wert über dem oberen Labor-Referenzwert von (4,0-4,5 mU/l) primär mit Schilddrüsenhormon zu behandeln.

Bei allen Frauen die einen TSH-Wert zwischen 2,5 und 4,5mU/l aufweisen wird die zusätzliche Untersuchung der TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-AK) angeraten. Nur, wenn diese TPO-AK erhöht sind, ist eine Schilddrüsen-Hormontherapie unserer Meinung nach notwendig. Alle Frauen mit einem TSH Wert <2,0mU/l benötigen wie schon bisher keine Schilddrüsen-Hormontherapie.

Abschließend kann festgehalten werden, dass TSH-Untersuchungen während einer Stimulationstherapie für eine IVF/ICSI auf Grund der vielfältigen gegenseitigen Beeinflussungen nicht erforderlich und daher nicht zu empfehlen sind. In einer Schwangerschaft sollte im 1. Trimenon der obere Referenzwert für TSH mit 4,0mU/l und im 2. und 3. Trimenon der normale Referenzbereich des Labors nicht überschritten werden (→ detaillierte Informationen für Mediziner).

Literatur beim Verfasser


Links:
» Hashimoto-Thyreoiditis

(Beitrag | http://www.kinderwunsch-blog.com)

» Mögliche Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch bei Frauen

(Seite | http://www.kinderwunsch-blog.com)

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