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„Sagen wir es unserem Kind?“

| Aspekte zum familiären und gesellschaftlichen Leben nach einer IVF-Behandlung mit Eizellspende

Symbolbild | Foto: Shutterstock

1978 kam Louise Brown im englischen Oldham zur Welt. Sie war das erste sogenannte „Retortenbaby“, also der erste Mensch, welcher durch eine „Künstliche Befruchtung“ gezeugt wurde. Bereits fünf Jahre später erfolgten die ersten Kinderwunschbehandlungen mit einer Eizellspende. So verfügt die heutige Reproduktionsmedizin über eine jahrzehntelange Erfahrung auf diesem Gebiet.

Ausschlaggebend für eine IVF-Therapie mit den Eizellen einer anderen Frau als Spenderin ist die medizinische Situation des Paares, welche im ärztlichen Erstgespräch umfassend abgeklärt wird (→ mehr erfahren). Dabei erfolgt auch eine detaillierte Aufklärung. Natürlich nimmt sich die behandelnde Ärztin / der behandelnde Arzt, wie Dr. Adriane Damko, Dr. Robert Haidbauer und Dr. Maximilian Murtinger (NEXTCLINICS IVF Zentren Prof. Zech) auch Zeit, alle persönlichen Fragen des Paares bestmöglich zu beantwortet. Eben auch diejenigen Fragen, welche sich nicht auf die Therapie, sondern auf das künftige familiäre und gesellschaftliche Leben beziehen, wie z.B.:

„Sagen wir es unserem Kind?“

R. Haidbauer

Dr. Haidbauer: Seit über 20 Jahren wenden wir in der Gruppe der IVF Zentren Prof. Zech die Eizellspende als Behandlungsmethode erfolgreich an und können auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Eine Beurteilung, ob es besser wäre, das Kind zu informieren oder nicht, ist sehr individuell und obliegt den Eltern. Der Blick auf die Wissenschaft ist hier auch nur bedingt möglich. Es gibt entsprechende Studien*, die sich mit diesem Thema befassen. Ein Vergleich von 11-12-jährigen Kindern (8,5% vom Gesamtkollektiv), die informiert wurden mit nicht informierten Kindern, hat gezeigt, dass es keine Unterschiede in der Eltern-Kind-Beziehung und im sozialen-emotionalen Verhalten der Kinder gibt (Golombok 2002).
* „Disclosure of donor conception, age of disclosure and the well-being of donor offspring“ | G. Pennings – Human Reproduction, Vol.32, No.5 pp. 969–973, 2017

„Wann ist der richtige Zeitpunkt, um es unserem Kind zu sagen?“
Dr. Haidbauer: Es gibt auch hierbei wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass das Alter des Kindes bei der Information statistisch signifikant keine Rolle spielt. Bei einer Studie* an 10 und 14-Jährigen konnten keine Unterschiede im psychischen Wohlbefinden zwischen informierten und nicht informierten Kindern festgestellt werden (Kovacs 2015, Illioi 2016). Andere Studienergebnisse postulieren mehr negative Effekte, je älter die Kinder bei der der Information waren. Demnach sollte es das Kind noch vor der Pubertät erfahren. Das Kind geht dann mit dieser Information spielerisch um, wird zwar hin und wieder Fragen stellen, aber wächst und reift mit dieser Information ohne Vertrauensverlust. Kommt die Information während oder nach der Pubertät, so kann dies zu ernsthaften Störungen der Eltern-Kind-Beziehung führen, in erster Linie die Beziehung zur Mutter belasten.
* „Disclosure of donor conception, age of disclosure and the well-being of donor offspring“ | G. Pennings – Human Reproduction, Vol.32, No.5 pp. 969–973, 2017

„Werde ich mein Kind genauso lieben, auch wenn ich nicht die genetische Mutter bin?“

A. Damko

Dr. Damko: Die Mutter-Kind-Beziehung und die damit einhergehende Fürsorge und Liebe, ist in der Regel genauso intensiv, wie bei allen anderen Familien auch. Es gibt Studien* zu IVF-Behandlungen mit gespendeten Eizellen die belegen, dass es keine feststellbaren Unterschiede gibt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die genetische Verbindung für die familiäre Entwicklung und die Bindung von Müttern und Kindern nicht essentiell ist. Die Mütter haben die biologische Verbindung mit ihren Kindern durch die Schwangerschaft und die Geburt, was sie die negativen Erfahrungen bzgl. der vorangegangenen Unfruchtbarkeit kompensieren lässt, und ihre Identitäten als Mütter festigt.
* „Egg donation parents and their children: follow-up at age 12 years“ | C. Murray, F. MacCallum, S. Golombok – Fertility and Sterility Vol85 No3 (610-618), March 2006

Diese Beispiele verdeutlichen, was ein Paar bei einer Kinderwunschbehandlung mit Eizellspende beschäftigen kann. Deshalb sollte auch die Möglichkeit einer psychologischen Begleitung vor, während und nach der Behandlung in Betracht gezogen werden.

Denn, der Grundstein wird bereits im Vorfeld der Therapie gelegt, nämlich mit der Entscheidung wo und damit auch wie die entsprechende Behandlung stattfinden soll. Es gibt meist unterschiedliche Auflagen, festgehalten in nationalen Gesetzen und Richtlinien, sowie in EU-Verordnungen. Hierbei wird grundsätzlich zwischen anonymer und nicht anonymer Eizellspende unterschieden.

Bei der nicht anonymen Eizellspende in Österreich beispielsweise, hat das Kind, welches mit den gespendeten Eizellen gezeugt wurde, mit dem vollendeten 14. Lebensjahr das Recht, Informationen über die Spenderin zu erlangen.

M. Murtinger

Dr. Murtinger: Wir sehen heute, dass infertile Paare, die eine IVF-Behandlung mit Eizellspende in Anspruch nehmen, vermehrt eine offene Spende, also eine nicht anonyme Spende wünschen. Somit besteht für diese Eltern in Zukunft die Möglichkeit, ihr Kind dahingehend über dessen Herkunft zu informieren, sodass auch die Identität der Spenderin bekannt ist.

Liegt die Antwort also in der jeweiligen Gesetzeslage? Oder grundsätzlich im Kindesrecht, seine genetische Abstammung zu kennen? Aspekte, welche auch die Referenten und Teilnehmer eines internationalen multidisziplinären Symposiums (Online-Konferenz) am 29. Mai 2020 beschäftigt (→ mehr erfahren).

Zusammenfassend ist sowohl die Eltern-Kind-Beziehung als auch eine Entscheidung darüber, ob das Kind über dessen Zeugung mittels Eizellspende informiert wird oder nicht, sehr persönlich und muss individuell betrachtet werden. Es geht dabei weniger um Studien oder Gesetze, als um die Liebe zum Kind, und was man als Eltern für richtig empfindet.


Links:
» Eizellspende – Ein Weg zum eigenen Kind

(Themen-Special | http://www.kinderwunsch-blog.com)

» Psychologische Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch

(Themen-Sepcial | http://www.kinderwunsch-blog.com)

» „And here she is… THE LOVELY LOUISE“

(Beitrag | http://www.kinderwunsch-blog.com)

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