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„Groß oder klein?“

Neue Studie zur Optimierung der Follikel-Stimulation/Punktion

Symbolbild | Foto: Shutterstock

Eine Kinderwunschbehandlung beginnt in der Regel mit der Stimulationsphase. Das heißt, mittels auf den Körper der Frau abgestimmter Hormonpräparate werden die Eierstöcke angeregt, sodass möglichst viele Eibläschen (Follikel), in denen sich die Eizellen befinden, entstehen. Die Anzahl und das Wachstum der Follikel werden durch Ultraschall-Kontrollen regelmäßig überprüft.

Die Follikel wachsen während der Stimulation dabei in unterschiedlichen Größen heran. Dieses Wachstum bestimmt den Zeitpunkt, an welchem die finale Eizellreifung induziert wird („Auslösen“) und in Folge die Eizellen gewonnen werden (Follikel-Punktion). Dieser Zeitpunkt schafft schlussendlich die Grundlage für den Erfolg der Behandlung. Denn, eine zu kurze oder zu lange Stimulation vermindert die Anzahl an Follikeln mit sogenannten kompetenten Eizellen. Das sind jene Eizellen, die sich nach der Befruchtung zum Embryo entwickeln und im Blastozystenstadium implantieren können (Einnistung in der Gebärmutter). Dafür spielen mehrere Faktoren eine Rolle – evtl. auch die Follikel-Größe?

Dieser Frage sind wir in einer wissenschaftlichen Studie (veröffentlicht im Top-Journal Ultrasound in Obstetrics and Gynecology) nachgegangen, mit dem Ziel, die Anzahl an reifen und kompetenten Eizellen zu maximieren.

3D-Ultraschall

Beispiel für ein Ultraschallbild von heranwachsenden Follikeln während der Stimulation, farblich dargestellt und als 3D-Ansicht | Foto: IVF Zentren Prof. Zech
Was haben wir untersucht?

Mittels 3-dimensionalem Ultraschall wurde das Volumen von insgesamt über 1200 Follikel, jeweils am Tag der Punktion, vermessen und mit der Wahrscheinlichkeit, eine Eizelle zu gewinnen, der Befruchtungsrate und der Blastozystenrate in Zusammenhang gebracht. Außerdem wurde eine biochemische Analyse von spezifischen Markerstoffen durchgeführt und die Implantations- und die Geburtenraten analysiert.

Was ist das Ergebnis?

Es konnte gezeigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit, eine reife Eizelle zu gewinnen, aus Follikeln mit einem Volumen <1ml signifikant geringer ist. Vergleicht man jedoch die weitere Entwicklung der entnommenen Eizellen (MII) aus kleinen Follikeln mit jenen aus größeren Follikeln, so ist ein ähnliches Entwicklungspotential (Blastozystenrate) zu sehen. Das Gleiche gilt auch für die Implantationschancen und die Lebendgeburt-Raten.

In Verbindung mit diesen Ergebnissen wurden auch biochemische Faktoren in der Follikelflüssigkeit untersucht, die als „potentielle Qualitätsmarker“ gelten. Mit Ausnahme von Östradiol (E2), gab es keinen Unterschied zwischen kleinen und großen Follikeln bzw. zwischen Follikel mit Eizellen, die sich zu Blastozysten entwickeln, und jenen, die in der Entwicklung stehen bleiben.

Zusammenfassend lautet unsere Empfehlung, die „Auslöse“ dann zu geben, wenn der Hauptteil der Follikel eine mittlere Größe, also das Volumen von 2-6ml erreicht hat. Darüber hinaus sollte bei der Eizellpunktion auch die Kohorte der Follikel mit einem Volumen <1ml gewonnen werden, um die Anzahl an Eizellen und Blastozysten pro Stimulation zu erhöhen und damit insgesamt die Chance aufs Wunschkind zu verbessern.


Links:
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